Ländervergleichsturnier in Mülheim-Kärlich
 
 
Ein letztes Mal hochsteigen zum Sprungwurf, ein letztes Mal abziehen, ein letztes Mal den Ball verfolgen - Emily Hagedorn hatte mit diesem Abschluss nichts mehr zu verlieren. Vier Sekunden waren im Spiel der weiblichen Rheinland-Pfalz-Auswahl beim Ländervergleichsturnier in Mülheim-Kärlich gegen die besten hessischen Talente noch zu spielen, als sie aus der zweiten Reihe abzog. Der Ball schlug unmittelbar vor dem Ertönen der Schlusssirene im Tor ein, Hagedorn rannte jubeln los, verfolgt und schließlich ausgiebig gefeiert von ihren Mitspielerinnen. Es war der Treffer zum 16:16-Endstand, und wie sich später herausstellte, zum Turniersieg. Hessen hätte in seinem letzten Turnierspiel gegen das Team vom Niederrhein mit elf Bällen Unterschied gewinnen müssen, um das Team von Nicoletta Humm und David Clemens noch vom ersten Platz zu verdrängen. Hessen verlor, und ein RLP-Erfolg stand fest, mit dem niemand gerechnet hatte. „Das war ein völlig überraschendes Ergebnis. Unsere Mannschaft hat in dieser Besetzung noch nie zusammen gespielt", merkte Humm an. Umso höher waren die drei Siege (19:12 gegen das Saarland, 22:15 gegen Niederrhein, 26:23 gegen Niedersachsen) sowie das Unentschieden Hessen zu bewerten. „Der Kampfgeist hat uns ausgezeichnet. Die Mannschaft zeigte eine unbeschreibliche Moral und kämpfte auch körperlich um Welten überlegene Gegner nieder", zeigte sich die Landestrainerin beeindruckt. Der 2002er-Jahrgang, der in Mülheim-Kärlich unterstützt von einigen 2003ern auf der Platte stand, ist aus rheinland-pfälzischer Sicht ein kleiner, aber ein qualitativ feiner. Das machten auch die Auszeichnungen zu den besten Spielerinnen der zweitägigen Veranstaltung deutlich: RLP-Torhüterin Lena Dettling teilte sich die Ehrung mit Elena de Agozio (HV Saar), Emily Hagedorn nicht nur wegen ihres Tores gegen Hessen mit Mia Lakenmacher (HV Niedersachsen), Tochter des ehemaligen Nationalspielers Sven Lakenmacher. In der siegreichen Mädchenmannschaften befanden sich die HVR-Spielerinnen Lara Bierenfeld (TV Arzheim), Lena Hoffmann (DJK/MJC Trier) und Merle Kloep (HSG Wittlich).
Auch bei den Jungen (Jahrgänge 2001 und 2002) lief alles auf ein „Finale" zwischen Rheinland-Pfalz und Hessen heraus. Beide Teams hatten ihre drei ersten Partien für sich entschieden und ermittelten den Turniersieger im direkten Aufeinandertreffen. Hier sich die HHV-Auswahl nach zweimal 20 Minuten mit 21:16 durch. Zur Halbzeit hatte es noch remis gestanden (10:10). „Nach drei anstrengenden Partien am ersten Tag war verständlich, dass wir am zweiten nur noch über die Hälfte der Spielzeit mithalten konnten", erklärte RLP-Landestrainer Marcel Trinks, der nichtsdestotrotz davon sprach, dass sich sein Team sehr gut verkaufte: „Wir haben gesehen, dass wir uns vor anderen Landesverbänden nicht verstecken müssen. Das war in der Vergangenheit nicht immer so. Die verbesserte Zusammenarbeit zwischen Landestrainer und den Verbandstrainern Rheinhessens, des Rheinlands und der Pfalz macht sich bemerkbar. Es geht nur gemeinsam." Auch das Leistungsgefälle innerhalb des rheinland-pfälzischen Teams hat sich reduziert. Zwar besitzt die Pfalz immer noch einen Vorsprung, aber zumindest das Rheinland holt immer mehr auf. Rheinhessen hat hingegen noch einen kleinen Rückstand. Den gastgebenden HVR vertraten in Mülheim-Kärlich die drei Lokalmatadore Jo Knipp, Moritz Körnert und der nachnominierte Torwart Yannick Stromberg sowie Felix Frombach von der HSG Wittlich. „Jo benötigt noch etwas Zeit, Moritz hat auf Linksaußen eine ordentliche Leistung gebracht, Felix hat Akzente gesetzt und Yannick als Nummer zwei hinter Felix Kadow nicht viel gespielt", so Trinks' Urteil über die rheinländischen Talente. Auch wenn der Landestrainer, unterstützt durch HVR-Verbandscoach Rudi Engel, mit Platz zwei sehr zufrieden war, sieht er große Rückstände gegenüber anderen Bundesländern. „Im Spiel gegen Hessen hat man in der zweiten Halbzeit gesehen, wie die Unterschiede aussehen, wenn Spieler aus dem Nachwuchs von Bundesliga-Vereinen Rheinlandligaspielern gegenüberstehen."
Als zuverlässiger Gastgeber tat sich der TV Mülheim hervor, der mit einer sehr guten Organisation überzeugte. Es spricht nichts dagegen, in den kommenden Jahren hier weitere Turniere dieser Art auszurichten. Auch die beiden direkt nebeneinander liegenden Hallen, die des Schulzentrums und die Philipp-Heift-Halle, bieten infrastruktuell perfekte Bedingungen.
 
 

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